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Schlittelwiese und Grüngebiet
nicht verbauen! (28.7.2003)
«Der Gattiker Schlittelhügel
darf nicht einer Überbauung geopfert werden»:
Martin Pfenninger erklärt, warum der von ihm präsidierte
Dorfverein Gattikon sich gegen eine vom Gemeinderat Thalwil
beabsichtigte Einzonung vis-à-vis der Schulanlage
Schweikrüti wehrt.
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Schlittelwiese und Grüngebiet
nicht verbauen
28. Juli 2003
Warum Martin Pfenninger und
der Dorfverein Gattikon gegen die Einzonung im Schweikrüti
kämpfen
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Will das Grüngebiet im Bereich des heutigen Maisfelds
vor den Baumaschinen retten: Martin Pfenninger, Präsident
des Dorfvereins Gattikon. Arthur Schäppi
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«Der Gattiker Schlittelhügel
darf nicht einer Überbauung geopfert werden»: Martin
Pfenninger erklärt, warum der von ihm präsidierte Dorfverein
Gattikon sich gegen eine vom Gemeinderat Thalwil beabsichtigte
Einzonung vis-à-vis der Schulanlage Schweikrüti wehrt.
Martin Pfenninger, mit der Teilrevision
der Thalwiler Bau- und Zonenordung, die im Dezember an die Budgetgemeindeversammlung
kommt, will der Gemeinderat unter anderem auch die bisherige Freihaltezone
südwestlich der Schulanlage Schweikrüti im Ortsteil
Gattikon in eine zweigeschossige Wohnzone umwandeln. Je nach Überbauungskonzept
könnten dort auf 10 000 Quadratmetern Gemeindeland 20 bis
30 Wohneinheiten entstehen. Was missfällt Ihnen und dem Dorfverein
Gattikon daran?
Martin Pfenninger: Der Vorstand des Dorfvereins Gattikon ist der
Ansicht, dass das betroffene Grüngebiet zwischen Waldrand
und Schulanlage Schweikrüti als Schlittelhügel für
die Kinder und als Erholungslandschaft für die heutigen Einwohner
von Gattikon und Thalwil, aber auch für spätere Generationen
erhalten bleiben muss. Im demnächst auslaufenden öffentlichen
Auflageverfahren wollen wir den Gemeinderat mit einem Antrag dazu
bewegen, auf die geplante Einzonung in der Vorlage zu verzichten.
Über die Bau- und Zonenordnung entscheiden wird letztlich
die Gemeindeversammlung.
Eine vernünftige Siedlungsgrenze ist in diesem empfindlichen
Gebiet zwischen Schweikrüti und dem nahen Waldrand mit Aussichtspunkt
erreicht. Mit der Einzonung würde nun ein Keil ins dortige
Erholungsgebiet getrieben. Wertvoller Grünraum und auch Ackerland
(derzeit ein Maisfeld) des gemeindeeigenen Bauernhofs Sihlhalde
gingen unwiederbringlich verloren. Dass die Bevölkerung keine
Wohnsiedlung in diesem Gebiet will, hat sie 1993 bereits deutlich
zum Ausdruck gebracht. Schon damals wurde eine Einzonung an der
Gemeindeversammlung abgelehnt. Seither ist sicher kein Stimmungsumschwung
eingetreten. Im Gegenteil: Grüngebiete werden auch in der
Gemeinde Thalwil immer rarer.
Weil aber seit 1993 das wenige in Thalwil noch verfügbare
Bauland weiter überbaut worden sei und es für qualitativ
hoch stehenden Wohnraum praktisch keine Reserven mehr gebe, sei
es vertretbar, dieses Gebiet nun zur Überbauung freizugeben,
argumentiert der Gemeinderat im Text zur öffentlichen Auflage.
Mit einer Gestaltungsplanpflicht solle zudem eine «architektonisch
und ortsbaulich hoch stehende» Lösung garantiert werden.
Das tönt doch nach einem sorgsamen Umgang mit dem Boden?
Es geht uns nicht um die Frage, ob dort nun eine schlechtere oder
bessere Siedlungsvariante mit Gestaltungsplan realisiert wird,
sondern um das grundsätzliche Anliegen, dass der dortige
Grünraum und Schlittelhang nicht angetastet und damit auch
nicht überbaut wird.
Auch uns ist klar, dass das Bauland in Gattikon und im übrigen
Gemeindegebiet nicht unbegrenzt zur Verfügung steht. Damit
sind dem Wachstum von Thalwil durchaus gesunde, vernünftige
und natürliche Grenzen gesetzt. Die sollte man doch respektieren.
Auch wenn gemäss den vorliegenden Planungen der Aussichtspunkt
am Waldrand nicht direkt beeinträchtigt wäre und zwischen
Waldrand und neuer Siedlung noch ein Grünstreifen übrig
bliebe, ändert das nichts daran, dass der Gattiker Schlittelhügel
und das Landschaftsbild dort als Gesamtes nachher «futsch»
wären.
Soll sich Thalwil also in Zeiten, wo die Steuergelder nicht
mehr so üppig wie auch schon fliessen, einen «ansehnlichen
Ertrag» - so der Gemeinderat wörtlich - aus dem Verkauf
von 10 000 Quadratmetern Gemeindeland einfach entgehen lassen?
Die Gemeindefinanzen in Thalwil sind keineswegs derart schlecht,
dass die Gemeinde auf einen solchen ausserordentlichen, einmaligen
Ertrag angewiesen wäre und deshalb wertvolles Land verscherbeln
müsste. Mit dem steuerpolitischen Aspekt lässt sich
diese Einzonung beziehungsweise der Verkauf des Landes, bei einem
Steuerfuss von tiefen 77 Prozent, nicht rechtfertigen. Statt den
Boden am heutigen Siedlungsrand von Gattikon auf die Schnelle
in Geld umzuwandeln, sollte das Gebiet im Sinne der Nachhaltigkeit
als natürliches Kapital späteren Generationen weitergegeben
werden.
Ist die ablehnende Haltung des Dorfverein-Vorstands zur Einzonung
Schweikrüti überhaupt repräsentativ für die
Bevölkerung von Gattikon?
Davon sind wir im Vorstand überzeugt. Und zwar nicht nur,
weil die Einzonung vor zehn Jahren bereits verworfen wurde. Auch
Reaktionen aus der Bevölkerung, etwa beim Gattiker Spielzeug-Flohmarkt
von Anfang Monat, als wir erstmals mit einem Plakatstand informierten
und spontan Unterschriften sammelten, sind ein klares Indiz dafür.
Ingesamt haben wir mittlerweile etwas über 70 Unterschriften
beisammen. Unterschrieben haben nicht nur Anwohner, sondern Einwohner
aus ganz Gattikon, teilweise auch aus dem übrigen Gemeindegebiet.
Auch am öffentlichen Stamm des Dorfvereins vom 9. Juli, als
im Rahmen der Diskussion auch Bauvorstand Hans Möhr den Standpunkt
der Gemeindebehörde darlegen konnte, war der Tenor bei den
rund 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmern klar gegen die Aufhebung
der Freihaltezone. Es gab viele kritische Fragen, aber kein einziges
Befürworter-Votum aus dem Publikum. Ein wichtiges Argument
von Bauvorstand Hans Möhr war am Stamm, dass preisgünstiger
Wohnraum geschaffen werden könne. Dies steht doch diametral
entgegen dem Auflagetext, wonach «qualitativ hoch stehender
Wohnraum» entstehen soll. Dieses Argument ist für uns
schlicht nicht nachvollziehbar.
Wie aber wollen Sie im Hinblick auf die Gemeindeversammlung
zur Teilrevision der Bau- und Zonenordnung die übrige Gemeindebevölkerung
für Ihr Anliegen gewinnen? Vielen Thalwilern aus dem «Dorf»
dürfte doch ziemlich egal sein, was jenseits der Autobahn
im Ortsteil Gattikon im Sihltal geschieht.
Das fragliche Gebiet in der Schweikrüti ist über Gattikon
hinaus von Bedeutung und vielen Thalwilerinnen und Thalwilern
auch vertraut. Es ist ein Spazier- und Wandergebiet für alle
Thalwiler. In der Nachbarschaft befindet sich die Schulanlage
mit dem Hallenbad. Der Vita-Parcours und die Finnenbahn beginnen
ganz in der Nähe. Im Winter schlitteln hier Kinder aus ganz
Thalwil und nicht nur aus Gattikon. Deshalb ist die Einzonungsfrage
in Gattikon der übrigen Bevölkerung von Thalwil wohl
kaum egal. Sicher gibt es gegenwärtig noch ein Informationsmanko.
Wir wollen daher die Bevölkerung im Hinblick auf die Gemeindeversammlung
für unsere Anliegen sensibilisieren und über die Konsequenzen
einer Einzonung breit informieren.
Das Interview erschien im Sihltaler
vom 22. Juli 2003 und im Thalwiler Anzeiger vom 26. Juli 2003,
Autor: Arthur Schäppi.
siehe auch:
01.12.2003:
Der Schlittelhügel bleibt uns erhalten!
09.07.2003: Unser Schlittelhügel soll überbaut werden!
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